Olympia (Griechenland)

Die Statue des Zeus aus Gold und Elfenbein

Ein monumentales Kultbild für den Beherrscher des griechischen Götterhimmels

Olympia ist heute vor allem als antiker Austragungsort von sportlichen Wettkämpfen berühmt. Die Spiele wurden zu Ehren des Göttervaters Zeus durchgeführt und die Sportanlagen gehörten zu seinem Heiligtum. Prachtvoller Mittelpunkt des heiligen Bezirks war sein Tempel, in dem das monumentale Kultbild aus Gold und Elfenbein stand. Seit der Spätantike ist es zwar verschwunden. Dennoch läßt sich ein ziemlich gutes Bild von ihm machen.

Ein Reisebericht und mehr
Ganz verschiedenartige Zeugnisse können zur Rekonstruktion der Zeusstatue herangezogen werden. Zum einen existiert die teilweise recht genaue Beschreibung von Pausanias, einem griechischen Reiseschriftsteller des 2. Jhs. n. Chr. Dann erscheint die Statue in einer kleinformatigen Darstellung auf Münzen des Kaisers Hadrian (Regierungszeit 117-138). Eine Reihe von Details ist wiederum dadurch bekannt, daß sie in römischer Zeit kopiert worden sind. Schließlich sind die Werkstatt der Figur und von dort wichtige Funde erhalten.

Zeus, der Beherrscher des Olymp
Die Kultstatue stellte Zeus als thronenden Herrscher dar. Er saß nur mit dem Mantel bekleidet auf einem Sessel mit hoher Rückenlehne, die Füße auf einen Schemel davor gesetzt. Als herrschaftliche Würdezeichen hielt er mit der Linken ein hohes Szepter, war mit Ölbaumlaub bekränzt, und auf seiner ausgestreckten Rechten stand eine Nike, die personifizierte Siegesgöttin. Statuenbasis, Thron und Fußbank waren überall mit Reliefs und freiplastischen Figuren verziert.

Die monumentalen Maße:
Statuenbasis: Grundfläche 6,65 x 9,93 m, Höhe 1,09m; Thron: Höhe 9,93m; Figur: Höhe 12,27m; Gesamthöhe 13,08m.

Das Goldelfenbein-Standbild
Besonders im 5. Jh. v. Chr. war es üblich, große Kultbilder in Gold und Elfenbein zu errichten. Die wertvollen Materialien bildeten dabei nur die Oberfläche der Figur. Über einem hölzernen Gestänge wurden die Verkleidung in einzelnen Platten, die nach einem tönernen Modell in Originalgröße geformt waren, montiert. Dabei benutzte man Elfenbein für die nackten Teile des Körpers und Gold für Gewänder und Haare.

Wann, wer, warum?
Der Tempel des Zeus war bereits im Jahre 457 v. Chr. fertig. Da der eigentliche Kult auf dem großen Aschenaltar in der Nähe des Tempels stattfand, konnte man sich bis in das Jahrzehnt um 430/20 v. Chr. mit dem Auftrag für ein repräsentatives Kultbild Zeit lassen. Aus Athen bat man den damals bereits berühmten Bildhauer Phidias nach Olympia. Der hatte in seiner Heimatstadt bereits die Statue der Athena Parthenos im Parthenon auf der Akropolis geschaffen.

Sensation! Die einzige erhaltene Werkstatt einer Kolossalstatue
Normalerweise hat man in der Antike eine Werkstatt nach Vollendung eines Kunstwerkes dem Erdboden gleich gemacht. Nicht so in Olympia. Sie wurde sorgfältig ausgefegt und blieb, von einem tönernen Dach geschützt, erhalten. In römischer Zeit ersetzte man das aufgehende Mauerwerk aus Lehmziegeln durch solches aus gebrannten Ziegeln. Die Spätantike überdauerte der Bau dann zur christlichen Kirche umgebaut. Heute gehört sie zu den am besten erhaltenen Monumenten in Olympia. Sinnvollerweise liegt die Werkstatt des Phidias gleich hinter dem Zeus-Tempel.

Was passierte in der Werkstatt?
Die Werkstatt bestand aus einem größeren und einem kleineren Raum. Letzteren betrat man durch eine große, breite Türe, ein noch breiterer Durchgang führte dann nach hinten in den größeren Raum. Der innere Bereich dieses Hauptraumes entspricht in den Maßen genau dem Aufstellungsort der Statue im Tempel. Hier wurde zunächst das Modell in Originalgröße errichtet. Es war auf drei Ebenen über Arbeitsbühnen zugänglich. Im Vorraum und vermutlich auch außerhalb wurde die wertvolle Außenhaut des Standbildes nach den Vorlagen des Modells gearbeitet. Das Goldblech wurde über Formen gehämmert. Wie genau das Elfenbein in Form gebracht wurde, kann man nur vermuten. Darüber hinaus weiß man jetzt, daß die Figur auch mit Einlagen aus farbigem Glasfluß verziert war.

Aktuelle Forschungen?
Die Werkstatt des Zeus wurde in den fünfziger Jahren vom Deutschen Archäologischen Institut ausgegraben. Alfred Mallwitz und Wolfgang Schiering haben die Ergebnisse längst kommentiert und veröffentlicht. Gefundene Terrakottaformen sowie Reste von Glasfluß waren der Anlaß, Experimente in Auftrag zu geben, die Funktion und Wirkung von Glas verständlich machen sollten. Dies ist auch gelungen. So ergeben die Beobachtungen von Schiering, daß ein Teil der gefundenen Formen für die Nike auf der Hand des Göttervaters angefertigt worden waren und die Nikefigur etwa lebensgroß und somit größer war, als die Münzbilder vermuten lassen. Ihr schimmerndes Gewand bestand aus farbig unterlegten Glasflächen. Experimentelle Archäologie vervollständigt in diesem Fall also unser Bild von der antiken Handwerkskunst. Auch für die Frage nach der Bearbeitung des Elfenbeins wird experimentiert und man kann so vielleicht noch weiter kommen.

© Ursula Vedder

Return to top of page EMail Aktualisierung: "13.09.01"